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2016 – die echtere Version (mit noch mehr Bildern)

Februar 19, 2017

Achtung, Zensurmangel. Und nicht einmal die huebschesten Bilder, sondern die, die mir persoenlich etwas bedeuten. 

So, jetzt reden wir aber nochmal Klartext. Mein 2016 war ein kollossales Scheissjahr, aber ein ziemlich wichtiges Scheissjahr. Im Gegensatz zu 2015 war es wenigstens nicht komplett fuer’n Arsch. 2015 haette ich getrost im Koma verbringen koennen. (Habe ich eigentlich auch, in gewisser Weise. Im Dauerstresskoma, leider mit bleibenden Schaeden.)

2016 also. Wenn ich fuer 2016 ein Zeugnis bekommen haette, wuerde darin stehen „Sie bemuehte sich stets…“, mit dem Subtext „…man sollte es aber wirklich nicht meinen, bei dem Ergebnis“.


Mein 2016 fing schon damit an, dass ich mich auf dem Weg zurueck von der Silvesterfeier zu Fuss durch einen Schneesturm kaempfen musste. Ueber hoellisches Glatteis. Die Windrichtung duerft ihr raten. Und ich dachte noch, „Na, hoffentlich ist das kein boeses Omen fuer das kommende Jahr, hihi“.

Das hoffte ich vergebens. Waehrend ich erschoepft bei meinem Hippiejungen uebernachtete, sank draussen die Temperatur um fast 10 Grad, und als ich nach Hause kam, waren die Wasserleitungen zur Dusche wieder zugefroren. Aber der Abfluss war sowieso auch wieder voellig dicht. Und die Maeuse waren wieder eingezogen. In meinem Laden konnte ich keine frischen Waren anbieten, weil die Transportfirma geschlampt hatte. Krise ueberall. Der Hippiejunge ueberredete mich dazu, ueber Ostern einen laengst ueberfaelligen Urlaub auf Island zu buchen. Ich hatte sehr wenig Geld uebrig, aber dort hatte ich noch ein altes Konto.

Mein 2016 war die Ueberwindung meiner Sturheit und das Eingestaendnis, dass mein Ladenprojekt gescheitert war. Die ganze Episode ist hier schon etwas ausfuehrlicher beschrieben. Oh, ich vergass die superfiese 3-Tage-ueber-39-Grad-Fieber-Grippe, die mich im Ladendichtmachstress noch ausser Gefecht setzte.

Der Rest des Jahres war dem Burnout gewidmet. Langsam wieder zu Kraeften kommen. Herausfinden, was von mir uebriggeblieben war und wer ich ueberhaupt war. Meine Gefuehle zurueckbekommen, nach zwei komatoesen Stressjahren. Sehr, sehr viele Gefuehle. Ich wusste ja fast nicht mehr, wie sich das anfuehlt, Gefuehle zu haben, und dann fluteten offenbar die angestauten Gefuehle der letzten Jahre auf mich ein und ich wusste nicht mehr so recht, was ich mit ihnen anfangen sollte. Die meisten von ihnen waren auch – gelinde gesagt – nicht von der angenehmen Sorte.

Mein 2016 war endlich wieder rauskommen. An Kuesten entlang, durch lichte Birkenwaelder, ueber sumpfige Pfade, in sonnige Blaubeermeere, durch alpine Steinwuesten, auf Gipfel mit Aussichten, von denen ich mich kaum losreissen konnte. Gegen Ende September war ich fast jeden Tag stundenlang draussen unterwegs und vergass dann solche nebensaechlichen Dinge wie Essen, oder wie man mit anderen Menschen umgeht. Einladungen zu Besuchen auf dem Land und in der Stadt. Manchmal sogar wieder ein paar echte positive Gefuehle fuer schoene Momente. Und manchmal wusste ich auch bei denen nicht mehr so recht, was ich mit ihnen anfangen sollte.
Eine Psychologin, die zuhoerte anstatt zu belehren, die aber schnell feststellte, dass sie mir im Ruckzuck-Programm eigentlich nicht helfen koenne, und mich in Richtung ordentlicher Therapie schickte, bei der sich die Wartezeit aber eher in Jahren als in Monaten messen laesst.

Der Wiederaufbau vernachlaessigter und verunglueckter Freundschaften, der Aufbau von neuen, und der Verlust von alten. Ein mir vorher wenig bekanntes Einsamkeitsgefuehl, sobald ich alleine war. Das Auf- und Abtauchen des Husky-Mannes. Die Nachricht aus heiterem Himmel, dass eine sehr liebe… sagen wir potentielle und werdende Freundin, und beste Freundin des Hippiejungen,  ploetzlich einfach so gestorben war. Schon wieder geriet alles aus den Fugen.
Das voellig unerwartete und verwirrende Aufbluehen einer Freundschaft zur engsten, die ich je hatte und besten, die ich mir vorstellen konnte. Und als ich mich dann endlich darin sicher fuehlte, zerbrach ich sie aus Unachtsamkeit. Und versank in abgrundtiefer Verzweiflung ueber das Unglueck, anstatt sie zu reparieren. Dann versuchte ich verzweifelt, die Scherben zu finden und wieder zusammenzufuegen, war aber wohl zu erschoepft dazu. Es half sicher nicht, dass zur gleichen Zeit alle moeglichen Freunde und Bekannte mit heftigen Problemen auftauchten, in die ich teilweise hineingezogen wurde.

Die Wiederbelebung meiner kreativen Ader. Das Ende meiner virtuellen Heimat, der jetzt.de-„Community“, machte mir wohl immer noch zu schaffen. Ich beschloss, dass dieses Blog in Zukunft auch fuer meine persoenlicheren Erguesse wuerde herhalten muessen.
Musik mit anderen zusammen, und mit Zuhoerern, war ein geheimer Vorsatz fuer das Jahr gewesen, und die Ergebnisse uebertrafen meine Erwartungen (und offenbar auch die der Ohrenzeugen, wobei die wohl ehrlich gesagt keine gehabt hatten). Als Kroenung der Instrumentensammlung kam endlich – wie es mein Kindheitstraum war und der Hippiejunge mir schon lange versprochen hatte – ein Klavier ins Haus, und zwar ein wunderschoenes, antikes und… ziemliches Restaurationsprojekt, wie sich herausstellte. Beitraege zu einer Ausstellung, noch ein erstes Mal zumindest im Erwachsenenalter. Der Beginn eines norwegischen Blogs.

Das Wiedersehen nach zum Teil unglaublich langer Zeit (bzw. ein Ueberhauptmalsehen) und die guten Gespraeche mit moeglichst vielen Freunden von frueher und aus dem Internet waehrend der dringend noetigen Bonustage meiner traditionellen Interrail-Reise ueber Weihnachten. Die ernuechternde Erkenntnis, dass ich Anfang des Jahres nicht untertrieben hatte mit meiner Feststellung, dass ich jetzt drei Sprachen fliessend spreche, aber keine davon scheine meine Muttersprache zu sein (das „wuerde herhalten muessen“ da oben hat mich uebrigens eine halbe Stunde Stirnrunzeln und Internetrecherche gekostet). Die Bestaetigung darin, ganz sicher keine eigenen Kinder haben zu wollen (obwohl die Kinder von Anwesenden natuerlich bestimmt total super sind).

Die Weihnachtsgrippe puenktlich zu Heiligabend, beschert von einem Virus, das ich anscheinend schon seit Ende November mit mir herumgeschleppt hatte, und ein eher so mittelmaessiges Jahresende. Aber alles andere waere ja auch unpassend gewesen.

 

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4 Kommentare leave one →
  1. Februar 19, 2017 7:42 am

    Schön, dass du wieder öfters von dir hören lässt, du weißt ja, ein wenig habe ich mir aus der Ferne Sorgen gemacht …
    Ja, sich ein Scheitern einzugestehen und dann loszulassen ist bis zum ersten, echten Schritt schwer, danach aber Freiheit pur, egal, was die Konsequenzen sind. Ich weiß das, ich habe schließlich auch eine Insolvenz eines Unternehmertraums hinter mich gebracht. Deshalb Kopf hoch, scheitern ist nicht schlimm – außer man nimmt es persönlich (was es sehr viel weniger ist, als man vielleicht glaubt)!

  2. Juli permalink
    Februar 23, 2017 11:31 pm

    Es klingt vielleicht abgedroschen, aber du bist auf so vielen Ebenen…inspirierend (ein besseres Wort fällt mir gerade nicht ein). Trotz oder vielmehr gerade wegen diesem tiefsten Tief, das man so sehr nachfühlen kann. Wegen deiner Authentizität und – ich hab’s glaube ich schon einmal geschrieben – deinem Mut, Dinge zu wagen, zu scheitern und zu reflektieren. Weiterzumachen, Schritt für Schritt… Von dir kann man lernen.
    (Und wenn man die Fotos so betrachtet, spürt man irgendwie, warum sie dir etwas bedeuten.)

  3. Mai 2, 2017 1:14 am

    Kolossal gehört ebenso wie galoppieren zu den „rechtschreiblich schwierigen Wörtern“. Nein, Quatsch, es ist wunderbar, wieder von Dir zu lesen und hat die Sehnsucht nach dem Norden ganz furchtbar befeuert. Und mit dem Scheißjahr 2016 und der Trauer über das Ende der jetzt-Community bist Du bestimmt nicht allein.

    • Juni 1, 2017 12:23 am

      Ooops. Jaja, mein Deutsch ist ja inzwischen so schlecht, dass mir Komplimente dafuer gemacht werden, wie gut es ist ;)

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