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2015 im Schnelldurchlauf

Januar 27, 2016

Wieder ein so anstrengendes Jahr vorbei, dass ich nicht zum Berichten kam. Zum Stress mit dem unfreiwillig eigenen Laden kam noch allerhand Privates – sowohl Schlimmes als auch Schoenes oder einfach nur Zeit- und Energieraubendes. Aber es gibt mich noch, und es gibt auch den Laden noch (wobei dieses zweite „noch“ etwas Nachdruck verdient).

Der Winter kam spaet, aber teilweise heftig. Zwischen der immer noch unbezahlten Arbeit im Laden, Problemen mit Lieferanten, viel zu wenig Geldverdienen mit Guiden, kaputtem Internet und mal wieder eingefrorenen Wasserleitungen schaffte ich ein paar kurze Skiausfluege. Dann gab es einen neuen Versuch, den Laden auf eine Kooperative zu uebertragen, ein paar Treffen und viel Koordinierung zwischen neuen und alten potentiellen Mitgliedern. Nach einigem Hin und Her, buerokratischen Huerden und persoenlichen Differenzen schlief auch dieser Versuch ein, aber wenigstens hatte er mir zwei gelegentliche Helferinnen eingebracht. Im April begann es dann zaghaft zu gruenen, waehrend ich mich auch noch fuer den Erhalt des einzigen richtig stadtnahen Bauern-, Forschungs- und Besuchshofes einsetzen musste (mit begrenztem Erfolg).

Der Fruehling war (noch) kaelter als gewoehnlich, im Mai war es immer noch sehr kuehl. Mein Hippiejunge und ich setzten uns trotzig zu Lagerfeuer und Campingkocher ans Meer. Dann halt mit Wolldecke. Die Aussicht war es wert. Da in den Bergen noch kaum Essbares wuchs, machten sich die Rentiere ueber die Kuestenwiesen und Vorgaerten der grossen Nachbarinsel her.
Ein Ausflug an einen wunderschoenen abgelegenen Strand auf einer kleinen Insel wurde davon ueberschattet, wie viel internationaler Muell dort angeschwemmt, angeweht und zum Teil schon in den Boden integriert war. Wir verbrachten mehrere Stunden damit, aufzusammeln, so viel wir konnten, aber gegen unzaehlige Styroporkuegelchen und andere kleine Teilchen waren wir machtlos. Ich kann dazu nur sagen: Wenn ihr wollt, dass es noch „unberuehrte“ Straende in der Welt gibt, die tatsaechlich einigermassen unberuehrt aussehen – hoert auf mit dem Plastikscheiss. Ich wollte eine Kampanje mit dem Aufhaenger starten, dass selbst auf einer abgelegenen arktischen Insel Pflanzen in Muell wachsen muessen, aber ich hatte ja keine Zeit.

Im Juni verabschiedeten sich beide Ladenhelferinnen in die Sommerferien, und keine davon kam zurueck (von der einen erhielt ich im Dezember dann eine gute Entschuldigung). Ansonsten weiss ich nicht, ob ich im Juni irgendwas gemacht habe. Ich glaube nicht. Fotos habe ich auch keine. Ich erinnere mich dunkel an die Seiten des Wetterberichts, die einstellige Temperaturen und Regen meldeten, wochenlang.
Das Festival auf der Hippie-Insel im Juli fand in nur maessig viel Regen statt, und danach konnten wir sogar mal eine Nacht ohne Zelt draussen schlafen.

Der Sommer kam dann im August. Wir errichteten ein Lager an einem Wasserfall, mit Versteck fuer trockenes Feuerholz, selbstgebautem Pizzaofen, und noch kuehneren Plaenen, aus denen dann doch nichts wurde. Wir besuchten endlich den Hof, auf dem der Hippiejunge bei seinem Umzug in die Stadt vor ein paar Jahren seinen Hund zurueckgelassen hatte, fuer ein ueberglueckliches Wiedersehen. Wehmuetig verabschieden musste ich mich vom Husky-Mann, der aus der benachbarten Huette in den Sueden (naja, immer noch in Nordnorwegen) zog. Ich behielt meine eingeschraenkten Sommeroeffnungszeiten bei und bekam so auch im September noch ein paar schoene Tage, um durch Wiesen und Berge zu streifen und wildes Essen und Medizin zu sammeln. Der Frost kam im Oktober, der Schnee im November. Die Maeuse kamen auch wieder und suchten in der warmen Huette Zuflucht und Essen. Das Hauptabflussrohr verstopfte. Langweilig wird es hier jedenfalls nicht.

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3 Kommentare leave one →
  1. sinaasappeljetzt permalink
    Januar 28, 2016 1:41 am

    Schöner Rückblick, wenn auch auf ein anscheinend durchwachsenes Jahr. Ich freu mich jedenfalls, von dir zu lesen!
    Für mich war 2015 auch eher – mau, 2016 darf gerne toller werden :-)

  2. Olli permalink
    Januar 31, 2016 7:14 pm

    Liebe Ulrike,

    ich bin von Anfang an hier dabei und freue mich immer, etwas von Dir zu lesen.
    Auch wenn’s derzeit eher selten ist :-)

    Auf ein deutlich besseres 2016.
    Grüße
    Olli

  3. Juli permalink
    Februar 4, 2016 11:26 pm

    Ein turbulentes Jahr, wie es scheint. :) Der Wegzug des Husky-Mannes hat mich jetzt auch fast ein bisschen wehmütig gestimmt…war er doch irgendwie Teil deiner wunderbaren Texte. Hach. Die vermüllten Strände schmerzen. Danke für alles was du gibst und tust… Und alles Gute für den Laden, ich hoffe 2016 noch mehr von dir zu lesen. :)

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