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War was..?

Februar 2, 2012

Ach ja, die Polarnacht. Die geht schnell vorbei, wenn man damit beschäftigt ist, die Welt zu retten und auch sonst nichts zu verpassen.

Jeden Montag Weltrettungstreffen, und darüber schreiben, alles auf Norwegisch. Freunde treffen. Freunde zur Weltrettung rekrutieren. Fremde zur Weltrettung rekrutieren. Im Schnee spazieren gehen. Mehr Norwegisch lernen, für die Aufnahmeprüfung. Als freiwilliger Helfer für die Arktiskonferenz melden. Ach was solls, fürs Filmfestival auch noch. Mehr Norwegisch lernen. Skier ausleihen, großzügigerweise schon im Voraus zum Studentenpreis. „Und was, wenn ich die Prüfung nicht schaffe..?“ – „Naja…“ – „Dann muß ich sie jetzt wohl schaffen, hm?“ – „Ja!“. Die Temperaturen steigen auf 5 Grad plus, das Winterwunderland verwandelt sich in erst in Matsch und dann in eine rutschige Eiswüste. Noch mehr Norwegischlernen sausenlassen wegen dringender Party. Gute Entscheidung – Was, das soll die ganze Prüfung sein? Aber was soll ich denn dann die restlichen zwei Stunden machen? Holz hacken. Sauna.
Jobs absagen wegen Filmfestival. Unterhaltsame, berührende, ärgerliche und inspirierende Filme aus aller Welt und vor allem der Arktis sehen. Draußen alle Welt in der Arktis sehen, zu einem der nördlichsten Filmfestivals überhaupt und dem größten Norwegens. Wochenends um 7 Uhr (morgens!!) aufstehen, um Botengänge zu machen, Essen auszuteilen, Tickets abzureißen, im Büro herumzuhängen und zu lernen, wie man Pinguine faltet. Von nervtötenden Couchsurfern die Hütte verwüsten lassen. Urlaub nehmen und Tage im unterirdischen Konferenzsaal stehend Kabelsalat beseitigen, Headsets austeilen und einsammeln, dazwischen Emails abrufen und eine Gratulation zur bestandenen Aufnahmeprüfung finden, Mikrofone bereitstellen, während sich draußen Gerüchten zufolge die Sonne wieder zeigt. Nebenbei noch schnell eine Filmvorführung organisieren, bis spätestens vorgestern. Den Laden putzen, dann schnell zurück und mit USB-Sticks und Powerpoint herumhantieren, fein essen und mit Wissenschaftlern und Konzernchefs diskutieren. Oh je, den Semesterbeitrag überweisen. Weniger nervtötende und hüttenverwüstende Couchsurfer einquartieren. Mit der Lieblingsfranzösin Crepes essen, mit tiefgekühlten Blaubeeren vom letzten Herbst. Der Norwegischkurs besteht aus acht Stunden Langeweile pro Woche, die Leute sind nett. Ob ich im Kino helfen will und dafür kostenlos alle Filme sehen? Klar, warum auch nicht.

Ich habe letzten Monat wesentlich mehr Zeit mit freiwilliger als mit bezahlter Arbeit verbracht. Dafür habe ich jetzt ganz viele Filme und interessante Vorträge gesehen, eine schicke Tasche, ein schickes und ein okayes T-Shirt, eine kuschelige Fleecejacke, ein stylisches „Refleks“-Armband (ganz wichtig, um im Dunkeln nicht überfahren oder von den Busfahrern übersehen bzw. „übersehen“ zu werden), einen Kugelschreiber mit integrierter Taschenlampe, Süßkram und allerhand kleinere Werbeträger von Sponsoren, viele neue Bekanntschaften (von denen ich vielleicht sogar ein paar wiedererkennen würde), ein paar neue Weltretter, hoffentlich ein paar neue Freunde, und eine gesunde Portion Selbstzufriedenheit.

Heute im Bus, auf dem Weg von der Uni zu einem Crashkurs in Samisch: Iihhh, was blendet mich denn da? Oh, ach so… die Dings, wie heißt sie, Sonne. Naja, ist schon auch mal wieder ganz nett.

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2 Kommentare leave one →
  1. Christoph permalink
    Februar 3, 2012 10:18 pm

    +5 Grad? Ich glaube, man hat unsere Wetter vertauscht…

  2. Anonymous permalink
    Februar 5, 2012 12:48 pm

    sehr erfrischen geschrieben, toll!

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