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„Was macht die Polarnacht mit einem?“

August 19, 2011

Jetzt, gegen Ende des Sommers nach meiner ersten Polarnacht, kann ich diese Frage endlich beantworten – auch, wenn die Antwort trivial erscheint: Sie lehrt einen, das Licht zu genießen.

Wenn man etwas jederzeit machen könnte, macht man es ja tendenziell nie. Hier oben aber sind die Sonnentage gezählt, der Schnee hat erst im Laufe des Mais die Landschaft freigegeben und wird schon bald wieder die Berge erobern, das Wetter ist unberechenbar. Ich war visuell ausgehungert nach Licht und Grün, und man weiß nie, ob ein „später“ noch in diesem Jahr stattfinden könnte. Also war ich in diesem arktischen Sommer so viel draußen unterwegs wie seit meiner Kindheit nicht mehr, und ich war auch schon lange nicht mehr so (für meine bleichen Verhältnisse) braungebrannt wie hier, wo die Durchschnittstemperatur im Juli bei 12 Grad liegt.

Man muß wissen, daß ich, seit ich vor 8 Jahren Zugang zu einem eigenen Computer und Internet bekam, etwa 90% meiner Freizeit online verbracht hatte. Die restlichen 10% damit, auf den Computer und/oder das Modem einzufluchen, weil die Internetverbindung nicht funktionierte. Mein dauerverspannter Nacken zeugte davon, wie viel Zeit ich vor dem Bildschirm verbrachte.
Jetzt zeugt der Schimmer auf meinem Gesicht und meinen Händen davon, wie viel Zeit ich im Garten, auf dem Fahrrad, beim Wandern und am und auf dem Meer verbracht habe, und meine Arme und Schultern von den „heißen“ Sommertagen über 15 Grad. Bevor ich hierher kam, wollte ich Programmiersprachen lernen und obskure Linuxsysteme installieren. Jetzt will ich Kajakfahren und Skilaufen lernen und Wildnistouren machen.

Die Wucht der Jahreszeiten hat mich quasi vom Schreibtisch gerissen. Ohne die Erinnerung an den langen Winter und ohne die Aussicht darauf, daß es bald wieder dunkel werden würde, hätte ich diesen Sommer viel weniger genossen. Und auch umgedreht funktioniert es: Es ist schön, mal wieder einen Sonnenuntergang zu sehen, und es tut gut, abends zu einer vernünftigen Zeit müde zu werden, während es draußen dunkel wird.

Bilder werden wurden nachgereicht – ich muß bzw. darf gleich schon wieder Touristen herumführen. Und die Frage der Woche kommt dann doch mal wieder von dem Mann, der nicht mehr ganz so angestrengt versucht, nur noch ein Nachbar zu sein: „Wenn ich morgen entscheide, einen Ausflug mit dem Boot zu machen… Würdest du mitkommen?“ – Was für eine überaus rhetorische Frage.

 


 

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One Comment leave one →
  1. Marcel permalink
    Juli 7, 2012 3:28 am

    Tja die Informatik ist ein spannednes Thema aber nicht spannender als das wahre Leben.
    (Ich Spreche aus Erfahrung. :))
    Deine wundervollen Bilder rufen ja förmlich nach einem Urlaub in Tromsö.
    Selbstverständlich mit Angel. ;-)

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