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Sommer in Tromsø

Juli 17, 2011
    6 bis 29 Grad. Windstill bis stürmisch. Eimerschütten bis strahlendblauer Himmel. Noch vier Tage Mitternachtssonne, dann kommt langsam die Nacht wieder. Ich bin noch nicht bereit, den Sommer loszulassen, diesen launischen, wilden Nordsommer, muss noch mehr Licht und Grün in mir sammeln, Erinnerungen für die dunkle Zeit.

  • Dem besuchenden Vermieter nachmittags kurz helfen wollen, auf dem Weg zum Boot, dann spontan für einen „Tagesausflug“ mitsegeln und weit nach Mitternacht zurückkommen, während er weitersegelt und später wegen Windstille das Boot vor einer einsamen Insel zurücklassen muß.
  • Zufällig ein paar englische Touristen aufgabeln, sie durch den botanischen Garten führen, Trinkgeld und Komplimente bekommen.
  • Mit einem seit drei Jahren nicht gesehenen Freund in den Bergen durch Schneereste wandern.
  • Mit der Gartenfreundin halbherzig Unkraut jäten, ganzherzig picknicken und wildwuchernden Rhabarber mitnehmen.
  • Auf ein unerwartetes Türklopfen hin verdutzt den Husky-Mann begrüßen, der nach dem Rechten sehen wollte, weil das Boot nicht zurückgekommen war.
  • Mit meiner todesmutigen hitzeliebenden Mutter wahllos in einen Bus setzen, bis zur Endstation fahren, nur von Schafen besiedelte Sandstrände entdecken und im Eismeer baden. Naja, zumindest mit den Füßen.
  • Mit der Lieblingsfranzösin zusammen auf der Terrasse Wein trinken und kirschkernweitspucken (Sieger mit viel Abstand: Mama).
  • Am drittheißesten Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen am Meer picknicken.
  • Kurzfristig ein Tramperpärchen aufnehmen, einer davon ein alter Freund des Vermieters, der später auch schon wieder zu Besuch kommt. Zu viert zum Boot fahren, durch einen Sturm segeln und fast über Bord gehen; auf einer idyllischen Insel landen und die ersten Blau- und Moltebeeren des Jahres pflücken; die Eltern des Vermieters im Ferienhäuschen besuchen und seinen siebenjährigen Sohn abholen, der sich als leidenschaftlicher Ninja-Krieger entpuppt und mich als Lieblingsgegner auserkoren hat. Erschöpft, leicht landkrank und hochzufrieden ein paar Stunden vor der Arbeit zurückkommen; meine Fingernägel sind ruiniert, die größten Blutergüsse haben ihre eigenen Blutergüsse, für den Muskelkater sollte ich wohl Haustiersteuer zahlen — der Törn war also ein voller Erfolg.
  • Mit meinen 27 Jahren zum ersten Mal eine kleine Party schmeißen – mit dem Ergebnis, daß ich jetzt gefährlich lebe, weil die Hälfte der Gäste unbedingt Nachmieter werden will.
  • Dazu noch drei Franzosen und eine Iranerin von BeWelcome hier unterbringen.
  •  
    Als ich dem Vermieterfreund zwecks Segelplanung zu bedenken gab, daß ich auch irgendwann schlafen müsse, schrieb er „Come on, it’s midnight sun“ und schickte mir ein norwegisches Volkslied„Wir sollen nicht die Sommernacht verschlafen, sie ist zu hell dafür.“
     

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5 Kommentare leave one →
  1. Troll permalink
    Juli 19, 2011 10:25 pm

    Schön wieder was von dir zu lesen, freu mich jedes Mal wenn’s was neues aus dem hohen Norden gibt! :-)
    Und die wunderschönen Bilder erinnern mich an meine Urlaube in Norwegen. Ach ja, Fernweh…

  2. Juli 31, 2011 3:16 pm

    Danke für den schönen Eintrag, besonders für das Lied. Hab jetzt einen Ohrwurm -.-
    Ist das zufälligerweise nynorsk?

  3. August 8, 2011 4:04 pm

    Entschuldigt die spaete Antwort, und danke fuer die netten Kommentare!

    Ich weiss nicht, ob das reines Nynorsk ist, es koennte auch ein suednorwegischer Dialekt sein. Mit Sicherheit kann ich nur sagen, dass es nicht Bokmål ist :-)

  4. Anonymous permalink
    August 19, 2011 8:15 pm

    Interessanterweise gibt es viele verschiedene Varianten auf youtube. Also, auch viele verschiedene Aussprachen.

    Gruss uebrigens aus Tampere (FI), Richtung Kiruna und dann 730 km immer geradeaus ;)

  5. August 19, 2011 8:16 pm

    Interessanterweise gibt es viele verschiedene Varianten auf youtube. Also, auch viele verschiedene Aussprachen.

    Gruss uebrigens aus Tampere (FI), Richtung Kiruna und dann 730 km immer geradeaus ;)

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