War was..?
Ach ja, die Polarnacht. Die geht schnell vorbei, wenn man damit beschäftigt ist, die Welt zu retten und auch sonst nichts zu verpassen.
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Silvesterüberraschungen
(Vorsicht, Textlawinengefahr! Bei Bedarf kann zu den lustigen Bildchen runtergescrollt werden.)
Am frühen Nachmittag schäle ich mich langsam aus dem Bett. Gestern abend bin ich heimgekommen, nach einer langen Reise mit Bahn und Bus aus Deutschland, wo ich Weihnachten verbracht habe. In der Nacht vor meiner Abreise hatte ich noch aufgeräumt und geputzt, weil ich kein Chaos hinterlassen wollte. Leider hatte ich dabei nicht bedacht, daß der Vermieterfreund vorbeikommen würde und keine solchen Bedenken hat. Meine Mitbewohner hatten kurz vor Weihnachten noch eine neue Herberge gefunden, eine größere und zivilisiertere, und waren ausgezogen. Ich fand also bei meiner Rückkehr eine auf 9 Grad heruntergekühlte Räuberhöhle vor.
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Integrieren und integrieren lassen
‘Tschuldigung, ich mußte mich mal kurz integrieren. Wurde auch langsam Zeit, nach fast eineinhalb Jahren hier.
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Mitbewohner und andere Tiere
Da hatte ich es gewagt, einen nahen Wintereinbruch zu prophezeien, und auch der Wetterbericht hatte dann bald den ersten ordentlichen Frost und Schneefälle angekündigt, und was kommt? Ein Sommereinbruch. Arktischer Sommer von seiner feuchtfröhlichsten Seite, mit 11 Grad (jaha, das qualifiziert als Sommer – im Juli hat es hier durchschnittlich 12) und, wie die deutschen Nachrichtenmenschen es freudig erregt ausdrücken würden, sintflutartigen Regenfällen.
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Brauner Oktober
Nein, ein goldener Oktober ist das hier wirklich nicht. Hier oben ist – soweit das Wetter mitspielt – der September golden, und teilweise schon der August. Inzwischen sind die meisten Bäume kahl und braun, die heruntergefallenen Blätter sind braun, das welke Gras ist braun. Die spärlich bewachsenen Berge sind braun. Der Seetang am Strand. Der Schlamm nach dem Regen. Die Pilze, die mir manches Abendessen beschert haben.
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Herbstkitsch und Muskeltiger
Der Wind wirft mit bunten Blättern um sich. Die Temperaturen, die sich dieses Jahr ungewöhnlich lange im zweistelligen Bereich gehalten haben, fallen langsam. Morgens hüllt sich der Fjord immer öfter in dicke Nebelschwaden, die die Luft dann später umso klarer hinterlassen. Es gibt mehr Regen, und mehr Regenbogen. Mehr Dunkelheit, mehr leuchtenden Abendhimmel und Nordlichter. Es riecht nach feuchtem Laub und nach Erde, nach Baumharz und Pilzen. Der Herbst ist da, und er läßt einen den Sommer gerne vergessen.
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Gesellschaft
Weil ich so ein sozialer Mensch bin und überhaupt gar kein komischer Einsiedler, der sich unter Menschen schnell unwohl und überfordert fühlt, habe ich mir jetzt Mitbewohner ins Haus geholt. Gleich zwei. Nämlich ein Pärchen, weil ich auf die ganz besonders gut zu sprechen bin. Na gut, eigentlich eher deswegen, weil mein Kollege beim Anblick meines bescheidenen Holzhäuschens genauso entzückt war wie ich damals, weil er und seine Freundin dringend eine bezahlbare Unterkunft brauchten, und weil ich die Aussicht auf 50% weniger Miete sehr verlockend fand.
Ich habe also ziemlich genau zwei Jahre nach meinem Schwur, mich nie wieder auf eine WG einzulassen, einen dauerquasselnden durchgeknallten Franzosen und seine mir völlig unbekannte Freundin einziehen lassen. Weiterlesen…
Perfekter Tag.
(Ein verspätetes Protokoll von vorletztem Samstag)
Früh aufstehen wollte ich heute eigentlich, und dann mit Husky-Mann und Husky einen Bootsausflug machen, angeln – bzw. in meinem (vegetarischen) Fall fasziniert und leicht befremdet beim Angeln zusehen -, Inseln erkunden und Beeren pflücken. Nun muß man aber wissen, daß auf den Husky-Mann noch weniger Verlaß ist als auf den arktischen Wetterbericht – und das will einiges heißen. Weiterlesen…
“Was macht die Polarnacht mit einem?”
Jetzt, gegen Ende des Sommers nach meiner ersten Polarnacht, kann ich diese Frage endlich beantworten – auch, wenn die Antwort trivial erscheint: Sie lehrt einen, das Licht zu genießen.
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Zu erledigen: Sommer genießen
Zurück zum Alltag also, oder was ich hier so als Alltag bezeichne. Eigentlich lebe ich eher dauerhaft im Ausnahmezustand. Statt wie die meisten Menschen heutzutage einem ganztägigen Bürojob nachzugehen und abends fernzusehen oder Bier trinken zu gehen, arbeite ich unregelmäßig und eher unkonventionell, streune durch Birkenwäldchen und subarktische Sümpfe, verschwende nach wie vor viel zu viel Zeit im Internet und sehe vom Fenster aus die Bäume wiegen, die Wellen wogen und meine Moltebeeren reifen. Zwischendurch versuche ich immer wieder halbherzig bis verzweifelt, mir einen geregelten Tagesablauf anzugewöhnen. Dabei stehen mir mehrere Umstände im Wege.
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